6.Juni 2011 – Tag der Sehbehinderung
Dieses Datum ist für uns als Oberstufenzentrum Havelland, das die optischen Berufe ausbildet, Verpflichtung. Unser Fachbereich Optik unterhält seit Jahren einen Kooperationsvertrag mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband der Bezirksgruppe Westhavelland. Wir arbeiten gemeinsam an verschiedenen Projekten.
Am 6.06.11 hatten wir in unserem Hause zum „Tag der Sehbehinderung“ geladen. Verschiedene Themen wurden im Stationenbetrieb (betreut von Betroffenen und Mitgliedern des Verbandes und Lehrkräften des OSZ) angeboten:
- Dunkelraum – In einen völlig dunklen Raum treten die Besucher ein und haben verschiedene Erfahrungen zu bewältigen: ertasten von Gegenständen, Treppen steigen, durchlaufen eines Parcours mit unterschiedlichen Untergründen. Frau Schäfer leitete die Besucher an, denn die Orientierung zu behalten war nicht leicht.
- Hilfsmittelraum- Hier wurden die verschiedenen Hilfsmittel für Sehbehinderte von Herrn Specht gezeigt und erläutert- z.B. eine sprechende Waage, Telefon, Handy, Bücher..
- Blindenschrift- Frau Hufschläger und Herr Bräsecke berichteten von ihrer Sehbeeinträchtigung und zeigten den Besuchern die Schreibmaschine, mit der sie selbständig am Leben teilnehmen können. Natürlich wurden die eigenen Namen geschrieben. Gleichzeitig sahen wir in Blindenschrift geschriebene Bücher, die viel gewaltiger sind als unsere normalen Ausgaben.
- Navigation- Herr Peschl, führte das Navigationssystem vor, das ihm eine große Hilfe ist. Hier wird er mit der Sprechfunktion geleitet und seine Selbständigkeit bleibt ihm erhalten.
- Augenkrankheiten- Frau Finn berichtete den Teilnehmern von ihren Erfahrungen, dem Umgang mit der Blindheit und ihren Operationen. Ihr ist selber bereits mit zwei Hornhauttransplantationen geholfen wurden. Das waren sehr persönliche Momente während sie uns diese OP´s schilderte.
- Unterrichtsstunde- Bei dieser Station wurden die Besucher mit all ihren Sinnen gefordert. Durch Brillen wurde ihr Seh-Sinn ausgeschaltet. Mit speziellen Nadeln wurde nun ein Knopf angenäht, Zeichnungen und Wörter zu Papier gebracht, Domino mit dem Nachbarn gespielt und es wurden auch Zähne geputzt wie es Sehbehinderte oder Blinde machen.
- Firmenpräsentation- Die Firmen Solira aus Rathenow und Reinecker REHA-Technik aus Berlin präsentierten sich durch Beratungsstände. Beide Unternehmen zeigten ihre aktuellen Produkte und beantworteten viele Fragen.
- Dunkel-Cafe´- Wieder eine Brille auf und rein ins Vergnügen (?)- das sollte sich erst noch zeigen. Im Gänsemarsch wurde der Raum betreten und ein Platz angewiesen. Nun mussten die Besucher sich selbst bedienen – Getränke eingießen, Schnitte schmieren und belegen, den Mund finden und auch Formulierungen, wie sie etwas erfragen wollten. Dann ging es zum Hände waschen.
Genutzt wurde diese Aktion von unseren Klassen (Augenoptiker und Verfahrensmechaniker für Brillenoptik), von der Beruflichen Schule der AWO und einigen Gästen, die über die Presse informiert waren. Die Besucher waren sehr beeindruckt von diesen Themenstationen.
Einige exemplarische Meinungen verdeutlichen, dass sich die Aktion gelohnt hat:
- …lehrreiche und beeindruckende Veranstaltung…
- …wir Schüler bemerkten, dass selbst alltägliche Arbeiten schwer auszuführen sind, wenn die Sehkraft vermindert/ ausgeschaltet ist…
- …eine einfache Treppe wurde fast zum Hindernis, denn Panik kaum auf…
- …verschiedene Bodenuntergründe verunsicherten den Schritt ungemein…
- …die Geschmacksnerven in Dunkel-Cafe´ hatten zu tun..
- ….toll diese Hilfsmittel für Dinge, die wir ganz selbstverständlich und schnell aufnehmen und tätigen
- …gigantisch das Hilfsmittel, das die Verpackung im Supermarkt scannt und sagt, was es ist…
- …beeindruckend das Fingerspitzengefühl, das zum Ertasten/Lesen der Blindenschrift (Bücher, Uhrzeiten, Medikamentenschachteln..) nötig ist…
- …mit geschlossenen Augen und Brille auf fühlte ich mich unsicher und musste den Hör- und Tastsinn stärker einsetzen…
- …bewundernswert, wie die Betroffenen trotz der Einschränkungen positiv dem Leben trotzen..
Der Tag wurde sehr gut angenommen Natürlich wurden die Informationen und Erfahrungen sofort ausgewertet. Der Spaß blieb trotz des ernsten Themas nicht auf der Strecke. Zu loben sind auch die Jugendlichen, die sich ohne Aufforderung um die Betroffenen gekümmert haben. Es wurde ohne Bedenken Kontakt aufgenommen, untergehakt und mit der Info der Betroffenen (etwas vorgehen der Stolperstellen ansagen) war es gleich ein gemeinsames Erlebnis.
Angela Scholz |