Aktivitäten OSZ öffentlich
zurück

Zeitzeugen aus Jerusalem zu Besuch am OSZ Havelland

Am 4. Dezember 2007 hatten der Geschichtskurs von Herrn Rottig der Jahrgangsstufe 13 sowie Schüler der Jahrgangsstufe 12, die im Februar 2008 nach Auschwitz fahren werden, die Ehre, zwei Zeitzeugen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu lauschen und anschließend mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Berichtet haben dabei Tamar und Simcha Landau, ein jüdisches Ehepaar, das in Jerusalem lebt, über ihre persönlichen schrecklichen Erlebnisse und Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges. – Die Schüler begegneten dem Ehepaar, dessen Eltern jüdischer Abstammung waren, mit sehr viel Respekt – die Stimmung wurde aber schnell aufgelockert durch die „Showeinlage“ einer tückischen Seltersflasche sowie durch die erfrischende Art des Auftretens insbesondere von Tamar Landau.

Als in der Reichspogromnacht die Judenverfolgung zur Massenvernichtung wurde und Tamar und ihre Familie nach Polen ausgewiesen wurden, begann für Tamar die schrecklichste Zeit ihres Lebens. Der Vater wurde zur Zwangsarbeit rekrutiert, die Mutter und die Schwestern bei einer Razzia verschleppt. Sie kamen nie wieder zurück.

Der beherzten Lüge ihrer Cousine – einer der wenigen Familienmitglieder, die Tamar zunächst geblieben sind – verdankt sie ihr Leben. Wäre sie es nicht gewesen, die behauptete, die damals 13-Jährige Tamar sei ja schon 15 und somit arbeitsfähig, wäre Tamar selektiert und getötet worden. So kam es, dass sie in eine Spinnerei nach Neusalz kam, wo sie eiskalte Nächte, Hunger, Läuseplagen und die Schikanen der Aufseherinnen ertragen musste. Selbst den 250 km langen Todesmarsch überlebte sie. – Ihre Cousine erlebte die Befreiung nicht mehr.

Im Lager Bergen-Belsen lernte Tamar schließlich Simcha Landau kennen und lieben, dessen Schicksal zwar andere Wege ging, aber nicht weniger tragische Züge hatte. Er verbrachte die Zeit der Judenverfolgung gemeinsam mit seiner Mutter in Berlin. Freundinnen seiner Mutter gelang es, die beiden zu verstecken. Dank dieser Solidarität und mit viel Glück überlebten sie die schwere Zeit. Sie zogen von einem Quartier zum nächsten, um vor den Behörden zu fliehen. Selbst Nachbarn durften nicht erfahren, dass sie in der Wohnung oder auf dem Gelände waren. Zu groß wäre die Gefahr gewesen, entdeckt und verraten zu werden. – Schließlich kam Simcha nach Bergen-Belsen. Sein Ziel war es, Deutschland zu verlassen und auf einem Schiff nach Palästina zu gelangen.

Diese Geschichtsstunde war nicht nur interessant, sondern geradezu fühlbar, erlebbar. Man spürte eine beklemmende Bedrückung bei diesen geschilderten Erlebnissen, die das Geschehene aufleben lassen und nicht in Vergangenheit geraten dürfen.

Diese Geschichtsstunde – das Schicksal der Eheleute Landau - zählt nun zu unseren Erfahrungen. Das Ehepaar Landau hat uns Anteil nehmen lassen an seiner Lebensgeschichte. Vielen Dank den Organisatoren der Veranstaltung. Unser besonderer Dank gilt den Eheleuten Tamar und Simcha Landau, denen es dank ihrer frischen und offenen Art wunderbar gelungen ist, Geschichte und persönliche Erlebnisse und Erfahrungen zu veranschaulichen.

Abteilung 1