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„Die schlimmste Erfahrung meines Lebens“

Exkursion der KfB 07a zur Gedenkstätte für Opfer politischer Gewalt in Potsdam

„Wer bei uns sitzt, ist schuldig“ klingt doch wie der Titel eines Thrillers, in dem Joachim Stern die Hauptrolle spielt. Wir, die Schüler des Oberstufenzentrum Havelland treffen den bekannten Schauspieler, aber nicht auf dem roten Teppich zur Filmpremiere, sondern in Potsdam, Lindenstraße 54, der Gedenkstätte für Opfer politischer Gewalt.
Herr Stern gibt kein Interview zum neusten Film, sondern erzählt aus seinem Leben. Alles, was wir nun erfahren, hätte sich kein Thrillerautor besser ausdenken können.
Am 05.12.2007 machten wir Schüler uns auf den Weg die wechselhafte Geschichte eines Hauses in der Landeshauptstadt kennen zu lernen und einen Zeitzeugen zu treffen.
Seit 1995 ist dieses Haus in Potsdam die Gedenkstätte für die Opfer von politischer Gewalt. Das 1732 erbaute Vorderhaus diente als Wohnsitz für Potsdamer Stadtkommandanten, als Austragungsort (Tagungsort) der Stadtverordnetenversammlung, Stadtgericht und seit 1907 als Gefängnis. Ab 1933 war nur das „Erbgesundheitsgericht“ tätig.
Ab Juni 1945 nutzten die Untersuchungsabteilungen des sowjetischen Militärtribunals und das Volkskommissariat für innere Angelegenheiten das Gebäude als Untersuchungshaftanstalt. 1953 übergab der sowjetische Geheimdienst den Komplex an die Staatssicherheit der DDR. Das Gebäude diente dann bis 1989 als Untersuchungshaftanstalt des Mfs für politische Gefangene. Seit 1995 ist es eine Gedenkstätte.
1947 wird Joachim Stern hier in dieses Gefängnis gebracht, nachdem er wegen angeblicher Spionage für die USA vom NKWD (Narodny Kommissariat Wnutrennich Djel) verhaftet wird. Neulehrer wollte der Neunzehnjährige werden. Der zweite Weltkrieg hatte seine Jugend geprägt und nun sollte das Leben völlig neu beginnen. Doch die Gefangennahme brachte seine Welt aus dem Gleichgewicht. Zu 25 Jahren Haft und Zwangsarbeit wurde er verurteilt. Diese Zeit verbrachte er anfangs in Frankfurt/Oder, dann in Potsdam und ab 1945 in Bautzen.
Auf die Frage, was man ihm vorwirft, erhält er die oben (bzw. anfangs) zitierte Antwort.
Für uns Schüler war alle, was uns erzählt wurde, unvorstellbar und menschenverachtend. Nach sieben Jahren Hunger, Gefahr an Tuberkulose zu erkranken, Misshandlungen und den Tod immer vor Augen, kommt Joachim Stern 1954 frei. Als Schauspieler schlüpft er später in so manche Rolle, (z.B. Keslowski in „Ein Herz und eine Seele“) das Leben selbst schrieb für ihn die (wohl) schwerste.

Von Arlene Warminski, Eileen Hilber, Kathrin Zobel, Frederike Moritz, Frederike Meißner

 
 
 

Arbeitsauftrag:
Halten Sie, schriftlicher Form alle wichtigen Informationen zur Gedenkstätte und zum Zeitzeugengespräch fest. Zielstellung wird es sein einen Bericht anzufertigen der Veröffentlicht werden soll.

Gedenkstätte Lindenstraße
Die Gedenkstätte in der Lindenstraße 54 war ein altes Gefängnis mit einem Gerichtssaal. Dort fanden zur damaligen Zeit viele Verhandlungen statt, wegen Spionage und Staatsverbrechen. Viele die dort verurteilt wurden, haben niemals das Tageslicht wieder gesehen. In der Gedenkstätte hatten wir ein Zeitzeugengespräch mit Jochen Stern, der dort ungefähr 2 Jahre seines Leben verbracht hatte und danach in Bautzen sein Rest zeit. Er berichtete uns über das Leben in diesem Gefängnis.
Jochen Stern wurde 1928 in Frankfurt/Oder geboren. Er hatte an den Endkämpfen in Berlin (2. Weltkrieg) teilgenommen und wurde später als Junglehrer einer 6. Klasse eingestellt. Im Jahr 1947 hatte er (19 jährig) mit seinen Schülern ein Diktat geschrieben. Er wollte dieses Diktat am nächsten Tag seinen Schülern wieder geben, weil er es Ihnen versprochen hatte. In der Nacht um 2 Uhr wurde ein lautes Klopfen an seiner Tür geweckt. Jochen Stern ging zur Tür und machte sie auf. Sofort stürmten 3 Leute des NKWD in seine Wohnung. Die NKWD durch suchte seine Wohnung und fand ein Trotzki Buch. Das war Grund genug, ihn festzunehmen. Trotzki galt damals als Gegner von Stalin. Jochen Stern wurde in den Keller vom NKWD gebracht. Die Begründung seiner Festnahme war nicht nur das Buch, sondern wurde er wie alle anderen Jugendliche beschuldigt Mitglied der Jugendorganisation, Werwölfe zu sein. Auch Spionage wurde ihm vor geworfen. Er wurde nach dem Verhör zum Gefängnis in Potsdam gebracht und gleich bei seiner Ankunft in seiner Zelle von einer Wache gefilzt. Die Zelle war sehr spärlich es gab nur eine dünne Matratze mit Hexel drinnen. Andere hatten schon ein Klappbett. Jochen Stern hatte nur einen rötlichen Topf mir einer Holzkelle zum Essen. Um seine Notdurft zu verrichten bekam er ein Gefäß das er alle 2 Tage weg bringen dürfte. Es war eine Gradwanderung für Ihn. Er wusste nicht was er getan und warum er schuldig gesprochen wurde. Nach 19 Tage ist er ins Verhörzimmer gebracht worden. Die Verhöre waren meistens nachts. In diesen Verhören wurde man nach dem Namen, Beruf und ob man Mitglied irgendwo sei gefragt. Jochen Stern hatte 9 oder 10 Verhöre, er wurde geschlagen und gefoltert. Mit 19 anderen wurde er in den Gerichtssaal gebracht. Sie waren nach dem §58 (Staatsverbrechen) der von Stalin1927 beschlossen wurde angeklagt. Das Gesetz geht gegen politische Verbrecher. Jochen Stern wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er wurde danach in eine Zelle gebracht, 2 Monate Einzelhaft. Anschließende Verlegung in eine andere Zelle mit einem weiteren Insassen. Der andere Insasse hatte ihn gewarnt, dass im Gefängnis auch Spitzel seien. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es so was auch gibt. Das Leben war wie russisches Roulette im Gefängnis, leben oder sterben. Dort gab es Arbeitssäle mit 400 Häftlinge dort gearbeitet haben. Der Kontakt zur Außenwelt wurde angeschnitten, keine Nachricht kam rein noch raus und keine Bücher zum lesen. Man konnte sich also kaum geistig beschäftigen, grübelte nur den ganzen Tag. Man wusste nicht ob es Tag oder Nacht war und man versuchte einfach nur den Tag hinter sich zu bringen. Auf dem Kanickelberg gab es einen Friedhof für die Leute die umgekommen sind in der Zeit vom 1945 bis 1950, ungefähr 15 bis 16 tausend. Die Leute erkrankten meistens an der TBC Krankheit wegen der schlechten Ernährung. Und waren Unterernährt. In seiner Zeit in diesem Gefängnis wurde er in den Kazer gebracht, d.h. eine Zelle in der Zelle. Er wurde in den Kazer gebracht, weil der Hauptführer raus bekommen hat, dass er russisch kann. Bevor er in das Kazer gebracht wurde. Ist er in das Verhörzimmer gebracht worden. Dort wurde er geschlagen und dann wurde mit ihm auf Russisch richtig geredet. Für Jochen Stern war das zu viel sie Schmerzen waren unerträglich das er nicht richtig denken konnte. Im Kazer hat er 3 Tage verbracht, er hat dort gefroren und die Nieren haben ihm wehgetan. Im Jahr 1954 wurde erin den Westen entlassen zur Karnevalszeit. Er wurde rein gestoßen in die Session. Er hatte zu Anfang große Probleme mit der Eingewöhnung und der Anpassung an das neue Leben. Er suchte seine Eltern, in Frankfurt/Main. Später fand er seine Frau und ist Schauspieler geworden da er nicht mehr in den Lehrer Beruf rein gehen konnte.

 

Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert

Die bedrückenden Schicksale der Betroffenen sind ein Thema in der Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewalt. Das 1737 erbaute Palais wurde 1809 zum ersten Tagungsort der freigewählten Stadtverordnetenversammlung. Seit 1820 nutzte das Stadtgericht das Gebäude als Gefängnis und Gericht.

Während der NS-Diktatur waren hier Verfolgte inhaftiert, ein Erbgesundheitsgericht verurteilte Menschen zu Zwangssterilisationen. Widerstandskämpfer wurden vom Potsdamer Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Verfolgte des sowjetischen Geheimdienstes wurden hier auch 1945 – 1952 eingesperrt und zu langjährigen Haftstrafen aber auch zum Tod verurteilt

1952-1989 wurden politische Häftlinge des DDR-Staatssicherheitsdienstes in diesem Haus inhaftiert. Erhalten geblieben ist die Häftlingskartei der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit Potsdam. Danach wurden hier bis zur Wende 7.000 Menschen als Untersuchungshäftlinge eingesperrt, davon fast 1.000 Frauen. Nahezu allen wurden politische Delikte vorgehalten: Spionage, Sabotage, Diversion, staatsfeindliche Hetze, Republikflucht, Beeinträchtigung staatlicher und gesellschaftlicher Tätigkeit.

Seit Februar 2007 gibt es eine ständige Ausstellung über die Geschichte dieses Ortes als sowjetisches Geheimdienst- und Stasi-Untersuchungsgefängnis. Diese Ausstellung wurde vom Potsdam-Museum und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung gemeinsam erarbeitet.
Von 1945 bis 1952 betrieb der sowjetische Geheimdienst in der Lindenstraße 54/55 das zentrale sowjetische Geheimdienstgefängnis für das Land Brandenburg. Die während dieser sieben Jahre inhaftierten Frauen und Männer wurden im Gerichtssaal des Anwesens von sowjetischen Militärtribunalen verurteilt - zu langjährigen Haftstrafen oder zum Tode. Nach der Übergabe des Anwesens in der Lindenstraße an das Ministerium für Staatssicherheit befand sich hier das Stasi-Untersuchungsgefängnis für den Bezirk Potsdam.

von Marie – Christine Grashof, Anja Petrasch, Marcel Lerche